Die Philosophie

der Erlebnispädagogik

Im Jahr 1762 legte der Reformpädagoge Jean-Jacques Rousseau durch sein Werk “Émile oder über die Erziehung” - die fiktive Erziehung eines Jungen - den Grundstein der Idee einer neuen Pädagogik. Er kritisierte die damaligen Bildungsansätze Disziplin, Frontalunterricht & Anpassung und bot eine alternative Erziehungsidee. Das Zitat “Leben ist nicht atmen, leben ist handeln” macht ihn zum Urvater des handlungsorientierten Lernansatzes.

100 Jahre später führte Henry David Thoreau ein auf Rousseaus Ideen basierendes Selbstexperiment durch und zog für zweieinhalb Jahre in eine Holzhütte am Walden-See. Er bewegte sich bewusst gegen den städtischen Trend, um sich den Fragen des Seins hinzugeben. Das Buch "Leben in den Wäldern", welches er in dieser Zeit schrieb, führt seine Annahme aus, zuerst die Natur erforschen zu müssen, sich dann selbst zu finden, um schließlich Gott erkennen zu können, und beschreibt somit den Grundgedanken der Naturpädagogik.

Wieder 100 Jahre später führte Kurt Hahn viele Gedanken alter Vordenker, beispielsweise die Rousseaus und Thoreaus, zusammen und begründete die Erlebnistherapie. Diese sollte gegen die Verfallserscheinungen der Gesellschaft arbeiten sowie Jugendlichen sowohl Wissens- als auch Charakterbildung ermöglichen. Obwohl seine Theorien immer wieder kritisiert und überarbeitet wurden, gilt er weiterhin als Begründer der Erlebnispädagogik. Der Begriff "Erlebnispädagogik" wird allerdings erst seit 1980 verwendet.

Auch für uns beinhaltet Erlebnispädagogik ein handlungsorientiertes Lernen in und mit der Natur. Bei aller Alltagsfremdheit, die unsere Herausforderungen mit sich bringen mögen - entsteht Abenteuer doch immer im Kopf (Josef Sözbir). In unseren Übungen arbeiten wir gezielt an den speziellen sozialen Herausforderungen der Gruppe und geben zusätzlich den Spielraum, sich als Individuum in verändertem Kontext einmal neu zu erleben und auszuprobieren. Durch das an die Übungen anschließende selbstständige Reflektieren werden der Moment und die gesamte Entwicklung verinnerlicht. Und je mehr die Erfahrungen mit eigenen Emotionen verbunden sind, desto eher ist ein dauerhafter sozialer Lernerfolg möglich.

“Und denkt daran, daß ihr in allen Fächern mehr durch Handlungen als durch leere Worte belehren müßt. Denn Kinder vergessen leicht, was sie gesagt haben und was man ihnen gesagt hat, aber nicht, was sie getan haben und was man ihnen tat”.

                                                         - Jean-Jacques Rousseau